Streiten will (und muss) gelernt sein

Im Rahmen der Weiterentwicklung unserer neuen Business Unit Technology and Change, beschäftige ich mich zur Zeit intensiv mit Methoden und Prozessen des Change Managements. Eines der Bücher, die ich mir dabei zu Gemüte führe ist "Emotionale Akzeptanz in Veränderungsprozessen" von Ziemendorf/Korte.

Meben vielen guten Ideen zur Prozessualisierung von Change  ist mir dabei eine Aussage besonders im Gedächnis geblieben:

"Das erfordert, dass ... Konflikte als etwas Alltägliches in diesen (Change-)Prozessen gesehen  werden. Nur wenn die Veränderung als dauerhafter Lernprozess aller Betroffenen verstanden wird, kann sich eine konstruktive Veränderungskultur entwickeln."

Diese Perspektive wirft ein neues Licht auf viele gescheiterte Change-Projekte. Denn aus meiner Erfahrung sind die meisten größeren Organisationen konflikt-avers und immer darauf bedacht, Konflikten auszuweichen statt sie transparent und zum Nutzen aller auszutragen. Ganz abgesehen von der Praxis, diese verbal "schönzureden" oder positiv zu codieren - jede Personalie eines größeren Unternehmens (bzw. die Pressemitteilung dazu) legt davon ein beredtes Zeugnis davon ab.

Dieser dunkle Subtext - das Schwarze Loch der Konfliktvermeidung - aller Organisationen verhindert, dass die Beteiligten lernen und die Organisation vorankommt - bis zu nächsten Katastrophe.

Deshalb ist es für jede Organisation wichtig, Streiten zu lernen. Dazu auch Monty Python:.

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Warum Netzpolitik ohne Veränderungen am Arbeitsplatz sinnlos ist, oder: "Das Dilbert Prinzip"

Mir wird gerne vorgeworfen, dass ich mich am allgemeinen nicht für Netzpolitik, die Rolle von Facebook im Rahmen der arabischen Revolutionen oder Plattformen wie UdL Digital interessiere, selbst wenn Sie einen Politikaward gewinnen. Die Anzahl meiner Tweets oder Status-Updates zu diesem Thema lässt sich an einer Hand abzählen, die meiner Blogbeiträge ebenso. Was ich lese, weiss ja keiner, aber ich sage ohne Scham: wenn solche Themen meine Timeline fluten, geschieht das gleiche wie bei Talkshows im Fernsehen - ich schalte um oder suche den schnellen Vorlauf.

Diese grundsätzliche Ignoranz gegenüber politischen oder sozialen Themen hat bei mir eine sehr lange Tradition. Zur Wahl schleppe ich mich mühsam und selten, Kirchen bestaune ich von aussen und auf Parties entgehe ich den Diskussionen der ZEIT-Leser durch prolongierte Aufenthalte am Buffet.

Man mag das für einen Charakterfehler halten oder die grundsätzliche Ignoranz eines Bürgersöhnchens ohne existenzielle Probleme. Da mag sogar etwas dran sein. Aber bei einem meiner letzten Versuche, in mich zu gehen, bin ich noch einem weiteren Grund auf die Spur gekommen: mich interessieren grundsätzlich nur solche Veränderungen, auf die ich aufgrund der machtpolitischen Gemengelage direkten und spontanen Einfluss mit nennenswerten Auswirkungen in kurzer Zeit nehmen kann. Womit wir mitten im Thema wären. Denn die einzigen Institutionen, auf die ich privat und professionell genügend Einfluss habe, um meinen Ehrgeiz bezüglich ihrer Optimierung zu wecken, sind Familie und Arbeitsplatz.

Über meine Familie werde ich hier nicht reden. Wer möchte, findet meine Frau auf Facebook und kann sich die nötigen Hintergründe verschaffen. 

Aber über den Arbeitsplatz.

Weil nämlich sonst niemand über ihn redet. 

Oder fast niemand. 

Zumindest im Umfeld der großen (netz)politischen Diskussionen.

Die Forderung nach - altmodisch ausgedrückt - Teilhabe scheint immer VOR den Werkstoren zu beginnen. Was dahinter passiert, wird in vielen Fällen nur unter den Tags "Arbeitszeit", "Gehalt", "Frauenquote" und "Ausbeutung" diskutiert. "Gestaltung des Arbeitsplatzes" ist meistens ein Fall für den Sicherheitsbeauftragten der zuständigen Berufsgenossenschaft.

Natürlich gibt es auch die Tags #e20 und #socialbusiness.Und ich will den geschätzten Kollegen von der Enterprise 2.0 Beratung keinen Tort antun. Ich bin mit Euch, bei Euch und unter Euch.

Aber seien wir realistisch: wir sind Exoten, eine Nische, ein walled garden im Nerdland der Social Media Freaks. Denn es gibt KEINE relevante gesamtgesellschaftliche Diskussion zu den Implikationen kommunikationsfeindlicher und teilhabeverweigernder Arbeitsplätze. 

Wie sonst ist es zu erklären, dass Institutionen wie der BVDW keine Social Enterprise Fachgruppe oder kein entsprechendes Forum haben und das Thema in der netzpolitischen Diskussion dort nicht aufzutauchen scheint.

Wie realistisch können aber die durch das Internet und Social Media erhofften gesellschaftlichen Veränderungen sein, wenn wir den Arbeitsplatz aus der Diskussion ausklammern, ihn als Thema den Beratern, Coaches und Betriebsräten überlassen? Selbst bei einer 35-Stunden-Woche dürften der Ort wo und die Menschen mit denen wir arbeiten, den weitaus größten solitären Teil unseres Lebens darstellen. Wer verbringt schon 35 Stunden die Woche auf Parteiversammlungen oder Barcamps?

Neben der Familie ist der Arbeitsplatz der Ort, wo wir am meisten über Wert und Art menschlicher Beziehungen lernen. Und was wir dort in den allermeisten Fällen lernen ist wenig ermutigend: Hierarchie steht über Kollaboration, Effizienz geht vor Erfüllung und Wettbewerb schlägt Miteinander. Vor diesem Erfahrungshorizont, auf Basis dieser nicht selten zutiefst frustrierenden Routinen, wollen wir unsere Gesellschaft umkrempeln?

Tssss.

Solange keine offene und breite Debatte um einen unserer zentralsten Lebensbereiche stattfindet, solange wir so tun, als könnten wir bis 18 Uhr Dilbert und danach Revoluzzer sein, wird sich wenig ändern. Nicht "Unter den Linden" muss besser werden sondern "Hinter dem Tor". (Es ist mir übrigens ein absolutes Rätsel, wie man bei UdL Digital ernsthaft über das Thema "Wie kann man das kreative Potenzial Deutschlands besser nutzen?" reden kann, ohne die Möglichkeiten veränderter Unternehmenskultur offensichtlich auch nur einmal zu streifen.)

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Deshalb ist das hier eine Art Aufruf: lasst uns den Arbeitsplatz auf die politische Agenda nehmen, lasst uns gemeinsam an einer Arbeitsplatzkultur arbeiten, die mehr Werte kennt als Disziplin und Qualität, nämlich, soviel von meinem Standpunkt vorab, Offenheit, Hierarchiefreiheit, Teilhabe, Gemeinsamkeit und Empathie.

Seit 20 Jahren arbeite ich als Berater in und für Unternehmen und ich begegne diesen Werte viel zu selten. Zur Rente möchte ich das Gegenteil sagen können. Ich möchte, dass Deutschland dann kein Enterprise 2.0 Schwellenland mehr ist.

Und deshalb konzentriere ich mich bis auf weiteres auf genau dieses Thema und überlasse den Rest der Revolution eplus, dem BVDW und ein paar Piraten.

P.S. Falls jemand schon relevante Foren kennt, die ich übersehen haben sollte, immer her damit.

 

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Devil's Dictionary of Business and Communications Terms, Entry #14, "Change"

1. A strategic initiative to distract from internal problems.

2. Loss (for reference see here)

In eigener Sache: Wir gründen die neue Unit "Technology and Change".

Die Einführung neuer Informationstechnologien verändert das Leben der Mitarbeiter nachhaltiger als jede andere Veränderung im Unternehmensalltag. Die neue Beratungs-Unit "Technology and Change" hat sich zum Ziel gesetzt, solche Prozesse durch Change Communication und Change Management zu begleiten, zu moderieren und dadurch maßgeblich zum Projekterfolg beizutragen. Als Partner des internen Change Managers entwickelt "Technology and Change" Kommunikationsstrategien und Kommunikationsmedien für das Deployment und die reibungslose Adoption von Unternehmenssoftware, mit dem klaren Ziel, die angestrebten Benefits für die Organisation Wirklichkeit werden zu lassen. Zu diesem Zweck kann die neue Unit auf jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit Technologie-Themen und -Kunden, auf die exzellenten Services unserer Corporate Publishing Division und ein umfangreiches Research und akademisches Engagement der Teammitglieder zurückgreifen.

Ihre Methoden zeichnen sich neben der Nutzung bekannter, professioneller und schnell einsetzbarer Standards dadurch aus, dass "Technology and Change" auf die motivierende Kraft von Geschichten setzt: es entstehen Inhalte, die sich als textliche oder audiovisuelle "Stories" erfolgreich distribuieren und erzählen lassen. Zudem setzt das Team auf die Nutzung von dialogorientierter Online-Kommunikation (Blogs, Wikis, Microblogging), einerseits um die Effizienz der Change-Prozesse zu steigern, andererseits auch um die Motivation der Teammitglieder und Stakeholder durch einen kontinuierlichen Dialog über die gesamte Projektlaufzeit auf einem nachhaltig hohen Niveau zu halten.

  • Enterprise 2.0 Initiativen
  • Social Workplace Projekte (für Teams)
  • Integration von Social Media Kanälen in externe Sales-, Marketing, CRM Aktivitäten
  • ERP Projekte
  • Technologische Plattformwechsel

 

 

Start- und Referenzkunden für 2011 sind Novartis, Heraeus und Continental.

Erreichbar ist das neue Team auf Twitter unter @TechAndChange, mit einer Google+ Seite sowie auf dem Content-Portal "Technology and Change".

 

 

 

Was Transtroemer der Unternehmenskommunikation sagen kann

"Überdrüssig aller, die mit Wörtern, Wörtern, aber keiner Sprache daherkommen / fuhr ich zu der schneebedeckten Insel" (aus: Im März '79)

Über Coaches, One-Night-Stands, die Ehe und das Change Management

Gut, ich gebe zu, ich mag keine Coaches. Oder besser: ich mag ihre Art nicht. Ihr hektisches Gefuchtel und das ständige "Haben wir auch alle mit einbezogen" stört mich doch sehr beim Formulieren von Key Messages.

Andererseits muss man zugeben, dass ohne ihr Beharren auf dialogischen Interaktionsformen die meisten Change Prozesse eher einem Vorstandsfeldzug oder einer Krötenwanderung glichen, statt wie nötig eine gemeinsame Anstregung auf Basis intrinsischer Motivation zu sein.

Nur ist leider ihr Verständnis von Dialog häufig hoffnungslos antiquiert!

Denn Dialog heisst nahezu immer "Workshop".

Keine neue Unternehmenskultur, kein Merger, keine Reorganisation ohne dutzende, hunderte ja sogar tausende von Workshops, Townhall Meetings und Brownbag Lunches. Denn, so der Coach, nichts geht über die direkte, persönliche Interaktion.

Mag sein, sage ich an dieser Stelle immer. Aber es gibt andererseits eine Menge, was gegen diese Business-Bacchanalien spricht. Sie sind

  • teuer,
  • ineffizient,
  • nicht mal ansatzweise CO2-neutral, und vor allem
  • nicht nachhaltig.

Aus meiner Sicht sind sie das Unternehmensäquvalent von One-Night-Stands. Menschen finden sich für eine kurze Zeit zusammen, genießen die gemeinsame Leidenschaft und trennen sich, um sich dann nie wieder zu sehen.

Daraus wird keine Ehe. Weder mit der Unternehmenskultur, noch mit dem neuen Partner und auch nicht mit den neuen Strukturen. Eine Ehe ist langfristige Beziehungsarbeit und dauerndes Bemühen. Die Leidenschaft mag in einer Ehe kein Feuerwerk sein, aber die Kerze brennt lang.

Deshalb ist meine Meinung: Workshops genügen nicht. Es gibt sogar zu viele Workshops. Mit der Hälfte des Budgets, das ein Change-Prozess für Workshops verbrennt, könnte man etwas viel besseres machen, nämlich eine Soziale Change Plattform aufsetzen - ein Quora für die Kultur, ein Facebook für den Merger, ein Wiki für die Reorganisation. Und dazu noch drei Community Manager einstellen.

Eingeleitet mit einem globalen Broadcast, gefolgt von regionalen Hangouts und schließlich überführt in einen auf einige Monate angelegten und moderierten Dialog kann ein langfristiger Prozess der Annäherung entstehen, der mehr ist als das awardfähige Abfeiern von Betriebsfeiern. Ein Kennenlernen, verstehen lernen und voneinander lernen. Einige unserer 5 Sinne mögen bei dieser Methode fehlen, mag sein. Aber ganz ehrlich: welcher Kollege riecht während eines Workshops schon gerne am anderen.

Soziale Change-Plattformen bieten gegenüber Workshop meiner eine Menge Vorteile. Sie sind 

  • günstig,
  • effizient,
  • ansatzweise CO2-neutral, und vor allem
  • nachhaltig.

Deshalb ist mein Plädoyer klar: ich bin für die Ehe und gegen One-Night-Stands. Hin und wieder mögen letztere Abwechslung in den Alltag bringen und damit ihren Sinn haben. Für den Aufbau einer tragfähigen Verbindung hingegen empfehle ich die langfristige Beziehungsarbeit auf sozialen Plattformen.